Wie anstrengend kann es eigentlich sein, Lehrer oder Lehrerin zu sein? Diese Frage bekam die FTK-Klasse im Projekt „20 Minuten Lehrer sein“ ganz praktisch beantwortet. Die Aufgabe: einen Teil einer Stunde vorbereiten und den Mitschülerinnen und Mitschülern ein Thema möglichst anschaulich und verständlich erklären. Klingt machbar – dachte man zumindest vorher.
Vorab wurden die geplanten Stunden gemeinsam mit der Lehrkraft besprochen: Welche Materialien werden benötigt? Was darf gemacht werden? Und welche Themen dürfen gewählt werden? Diese Absprachen sorgten für einen klaren Rahmen – die Ideen selbst kamen jedoch von den Schülerinnen und Schülern, die ihre eigenen Interessen, Stärken und kreativen Einfälle einbringen konnten.
Die Themen waren dabei so vielfältig wie kreativ. Besonders deutlich wurde die fächerübergreifende Arbeit in der Kombination aus Informatik und Kunst. Im Kunstunterricht wurde gefaltet, entworfen und gestaltet – von Origami-Kunstwerken bis hin zu selbst designten Pokémon. Diese Entwürfe wurden anschließend im 3D-Druck umgesetzt. Einige Pokémon-Figuren sind bereits fertig gedruckt, andere befinden sich noch in Arbeit. Im Anschluss haben die Schülerinnen und Schüler außerdem die Möglichkeit, ihre Figuren freiwillig mit Acrylfarben zu bemalen und ihnen so den letzten kreativen Feinschliff zu geben.
Auch Technik und Naturwissenschaften kamen nicht zu kurz. Elektrizität wurde anschaulich erklärt und greifbar gemacht, während Informatik kreativ in Minecraft weitergeführt wurde. In Englisch sorgte die Kombination mit Musik für Abwechslung und gute Stimmung. Besonders mutig war ein Schüler, der sich sogar an ein 20-minütiges Mathe-Warm-up inklusive kurzer Arbeitsphase wagte – fast wie im echten Unterricht.
Schnell wurde klar: 20 Minuten sind kürzer als gedacht. Einige der jungen Lehrkräfte überzogen ihre Zeit, weil gute Erklärungen, Rückfragen und Arbeitsphasen einfach Platz brauchen. Eine differenzierte Arbeitsweise wurde dabei sehr ernst genommen. Gleichzeitig merkten viele, wie herausfordernd es ist, alle mitzunehmen, auf unterschiedliche Lernstände einzugehen und spontan auf Fragen oder Schwierigkeiten zu reagieren.
Ein besonders gewinnbringender Teil des Projekts war das ausführliche Feedback. Die Schülerinnen und Schüler gaben sehr differenziert Rückmeldung dazu, wie sich der Unterricht aus Lernendensicht anfühlte. Gleichzeitig berichteten die „jungen Lehrkräfte“ selbst offen, wie anstrengend es war, vorne zu stehen, Aufmerksamkeit einzufordern, Ruhe zu bewahren und den Überblick zu behalten. Gerade dieser Perspektivwechsel sorgte für viele Aha-Momente.
Nach ihrem Einsatz vor der Klasse waren sich alle einig: Lehrer sein ist echt kein Spaziergang. Ständig erklären, reagieren, organisieren und motivieren geht ganz schön auf die Energie. Nach 20 Minuten vorne stehen waren die Lehrkräfte auf Zeit jedenfalls ziemlich fertig, aber auch ein bisschen stolz, es durchgezogen zu haben.
Ein Projekt, das nicht nur Spaß gemacht hat, sondern auch Respekt für den Lehrerberuf geschaffen hat – und vielleicht den einen oder die andere nach 20 Minuten Lehrer sein erst einmal tief durchatmen ließ.
